Goji-Beeren – Märchen, Mythen und Legenden

Von Martina Czajka

Über Goji-Beeren, das muss ich einfach zugeben, wird eine Menge Unfug verbreitet. Der Hauptgrund: Bestimmte Schlüsselwörter wie „Tibet“ oder „Himalaya“ klingen gut und machen Eindruck, also produzieren manche Leute Geschichten, um die Goji-Beere in diesen Zusammenhang zu bringen. Ich warte nur noch darauf, dass irgendjemand behauptet, Buddha habe sich hauptsächlich von Goji-Beeren ernährt und seine Ausgeglichenheit und Weisheit daraus bezogen. Das erst – jetzt wissen wir’s endlich – befähigte ihn zu tiefer Versenkung und seinen wunderbaren Lehrreden. Alles klar?

Herkunft unklar

Nicht einmal zur Herkunft von Goji alias Bocksdorn gibt es Fakten. Wie in vielen anderen Fällen kennt man die genaue Heimat der Pflanze nicht wirklich. Denkbar ist alles von Südosteuropa bis zur chinesischen Ostküste. In chinesischen Schriften aus dem Jahr 200 vor unserer Zeit wird die Pflanze erstmals erwähnt – was letztlich auch nicht viel aussagt. Denn so gut wie alle Völker der Welt waren zu diesem Zeitpunkt noch Analphabeten. Jedenfalls gehört die Goji-Beere seither zum Inventar der Traditionellen Chinesischen Medizin.

China, vor allem seine Provinz Ningxia, ist der Herkunftsort der meisten Goji-Beeren. Aus Tibet bzw. dem Himalaya jedenfalls kommen sie nicht, auch wenn das oft behauptet wird. Sie werden auch nicht von tibetischen Mönchen gepflückt, wie manche meinen. Es gibt eine ganze Reihe von seltsamen Behauptungen zu Goji-Beeren. Die meisten sind einfach falsch.

Sind Goji-Beeren giftig?

Auch wenn der Bocksdorn in Europa an vielen Stellen wild wächst, war das Wissen über die Pflanze lange Zeit sehr begrenzt. Fälschlicherweise wurde in ihr das giftige, aus der Tollkirsche bekannte Hyoscamin vermutet. Diese Annahme wurde inzwischen als „Märchen“ entlarvt.

Heilen Goji-Beeren Impotenz?

Das zu behaupten, könnte meine Umsätze dramatisch anwachsen lassen, wäre aber gelogen. Das einzige zuverlässige Mittel gegen Impotenz – sofern sie nicht medizinisch indiziert ist – ist eine gute Psychotherapie zur (Wieder-)Herstellung des Selbstvertrauens. Ex-und-hopp-Mittel zur Reparatur des Liebesglücks gibt es allenfalls auf der pharmazeutisch-synthetischen Ebene. Weder Eier noch Sellerie, weder Nashornpulver noch Sägepalmen-Fruchtextrakt machen uns zu Löwinnen oder Löwen im Bett. Und auch die Goji-Beere ist kein Bioviagra. Das wirkungsvollste und zuverlässigste Aphrodisiakum ist ein liebevoller Partner und die nötige Zeit, sich einander zu widmen. Dann aber kann Goji mit seiner reichhaltigen Vitalstoff-Palette durchaus unterstützend wirken.

Keine Falten dank Goji-Beeren?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Goji-Beeren unterstützen mein Wohlbefinden. Sie machen mich ein bisschen glücklicher, wenn es mir ohnehin schon ganz gut geht. Ob sie mich ein bisschen weniger unglücklich machen, wenn es mir schlecht geht, wage ich nicht zu behaupten. Wenn es einem aber ein bisschen besser geht, dann läuft man weniger verknittert und etwas gelassener durch den Alltagstrubel. So betrachtet glätten die Beeren tatsächlich die Falten. Und weil nun einmal wertvolle Lebensmittel ganz generell unser Hautbild verbessern, sind Goji-Beeren auch von dieser Seite her nützlich.

Können Goji-Beeren Cellulite „heilen“?

Nein, tun sie nicht, auch wenn das nicht mein Problem ist. Mein Tipp: Lassen Sie’s bleiben, an Ihrer Haut herumzudoktern. Wer Sie liebt, tut das mit und ohne die eine oder andere Stelle Orangenhaut. Vielleicht gefällt’s Ihrem Partner sogar, sie wegzustreicheln – was eine ziemlich lange Streicheleinheit werden dürfte, weil sich Cellulite bis heute nicht heilen lässt. Ist ja auch keine Krankheit.

Sind Goji-Beeren ein vorübergehendes Trend-Food?

Das ist unwahrscheinlich. Eher ist es so, dass Goji-Beeren eben erst ins westliche Bewusstsein vordringen. In der TCM sind sie seit rund 2300 Jahren nachweislich verankert. Als Trend kann man sie also wirklich nicht bezeichnen, eher schon als neu entdeckte Klassiker.

Sind Goji-Beeren allergen?

Ja und nein. Ja, weil alles, was Spuren von Eiweiß enthält, allergische Reaktionen auslösen kann. Selbst Äpfel können allergen wirken; so auch Goji-Beeren. Nein, weil empfindliche Reaktionen auf Goji-Beeren – anders als bei Erdbeeren oder Südfrüchten – selten sind.

Kann man Goji selbst anbauen und ernten?

Ja, das kann man. Die Pflanzen sind ziemlich anspruchslos, was die Bodenverhältnisse angeht. Trotzdem habe ich noch nie von tollen Anbauerfolgen in Privatgärten gehört. Ich würde mich aber freuen, diesbezüglich Rückmeldungen zu erhalten. Schließlich bieten wir ja auch Goji-Samen an.